
Albstadt - Der doppelte Abiturjahrgang sorgt in manchen Hochschulen für überfüllte Lehrsäle. Müssen die Schüler auf Fensterbänken sitzen? Die Albstädter Schulleiter haben bisher weniger mit Platz-, dafür aber mit Reifeproblemen zu kämpfen.
"Wir sind hart an der Kante", beurteilt Elisabeth Pleuler-Bauer, Direktorin des Gymnasiums Ebingen, die Platzfrage. Der Umbau der Fachräume und die hohe Anzahl an Klassen und Kursen haben die Raumkapazitäten verknappt. "Aber wir haben es hinbekommen", freut sie sich. Das liege auch an der guten Stundenplanung.
Platzprobleme gibt es im Progymnasium Tailfingen ebenfalls keine. "Mit 40 Klassen sind unsere Räume allerdings voll ausgelastet", berichtet Schulleiter Axel Metzger.
Die Unterrichtszeiten haben sich durch das verkürzte Abitur an beiden Schulen nicht verlängert, und auch die Qualität leide nicht darunter, ist Elisabeth Pleuler-Bauer überzeugt. "Im Vergleich sind die G8-Schüler sogar ein kleines bisschen besser." Trotzdem wolle sie gemeinsam mit der Stadt Albstadt den G9-Zug wieder einführen. Somit könnten die Eltern entscheiden, welchen Zug ihr Kind belegen soll.
Bereits vor rund drei Jahren konnten sich die G8- und G9-Schüler an den beruflichen Gymnasien, deren Oberstufe noch bis Klasse 13 geht, bewerben. Besonders die neueren beruflichen Schulen verzeichneten einen größeren Zustrom an Gymnasiasten, erklärt Wolfgang Wunder, Schulleiter der Hauswirtschaftlich-Sozialpädagogischen Schule in Ebingen. Aber nur 15 Prozent der Plätze dürfen mit ihnen besetzt werden. "Wenn wir aber noch freie Plätze haben, und es stehen noch Gymnasiasten auf der Warteliste, nehmen wir sie selbstverständlich trotzdem auf", versichern Wunder und Evelyn Lorch, Leiterin der Walther-Groz-Schule.
Ein Ausweiten dieser Prozentzahl wünscht sich Lorch. "Fast allen wird eine freie Schulwahl ermöglicht, nur den Gymnasiasten nicht", bemängelt sie. Klar sei die Argumentation richtig, dass diese bereits einen festen Platz auf dem Weg zum Abitur hätten. Das Problem des G8-Zugs liege vor allem im Alter der Schüler. "Durch G8 steigen die Schüler schon in der zehnten Klasse in die Oberstufe ein", so Wunder. Doch viele seien in diesem Alter noch nicht reif genug dafür.
Das bestätigt auch Pleuler-Bauer. "Vor allem den Deutschlehrern ist das aufgefallen. Denn die jungen Schüler argumentieren ganz anders." Man müsse daher die Sternchen-Themen künftig dem Alter der Schüler anpassen, sagt sie.
"Manche Schüler wechseln wegen ihres Alters auf das berufliche Gymnasium. Einige müssten sonst die zehnte Klasse wiederholen", sagt Wunder. Es sei aber auch möglich, bereits nach der neunten Klasse auf die beruflichen Gymnasien zu wechseln, erklärt Lorch.
Doch nicht nur die Reife der Schüler oder die längere Schulzeit seien ein Grund für den Wechsel auf eine berufliche Schule, weiß Lorch. Die Interessen und Neigungen der Schüler spielen ebenfalls eine große Rolle.
Das Progymnasium hofft nach dem doppelten Jahrgang von dem Lehrer-Überhang, der durch den Wegfall des G9-Zugs und einer gesamten Klassenstufe entsteht, zu profitieren.
Vor allem im Förderbereich hofft Metzger auf die "Nachbarschaftshilfe" im Zollernalbkreis. Denn durch den Wegfall der Grundschulempfehlung kämen künftig auch einige Schüler, die vorher keine Empfehlung für das Gymnasium bekommen hätten. "Diese Schüler müssen wir speziell fördern. Dazu brauchen wir zusätzliches Personal", sagt Metzger. Derzeit fange das Kollegium den Mangel durch Überstunden auf.
Evelyn Lorch möchte ebenfalls vom Überhang profitieren. "Wir suchen händeringend nach Mathe- und Physiklehrern."