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Albstadt Kettenölen gehört auch dazu

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Auch Landrat Günther-Martin Pauli war zur Fahrradübergabe gekommen. Foto: Schwarzwälder-Bote

Die Walther-Groz-Schule in Ebingen verfügt seit gestern über einen "Fahrradpool" für die Schüler ihrer zwei VABO-Klassen – 20 Fahrräder, gestiftet von zwei Firmen aus Albstadt und Balingen, verhelfen jungen Flüchtlingen zu mehr Mobilität.

Albstadt-Ebingen. "VABO"- Klassen gibt es an Baden -Württembergs berufsbildenden Schulen seit jeher; lange Zeit waren es vier oder fünf pro Regierungsbezirk; mehr brauchte man nicht. Doch in den vergangenen anderthalb Jahren ist die Zahl explodiert und bewegt sich jetzt weit oben im zweistelligen Bereich. Der Grund: junge Flüchtlinge. Das Kürzel "VABO" steht für "Vorbereitung auf Arbeit und Beruf Ohne"; das entscheidende Wort ist "Ohne" – ohne Kenntnisse der deutschen Sprache.

An der Walther-Groz-Schule werden derzeit 37 "VABO"- Schüler unterrichtet. Einige kommen aus der Europäischen Union, aus Polen und Italien, den Löwenanteil stellen jedoch junge Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan. Sie sind zwischen 15 und 18 Jahren alt und zum Teil unbegleitet nach Deutschland gekommen, wo sie aufgrund ihres Alters der Berufsschulpflicht unterliegen. Aber die grundlegende Voraussetzung für eine Teilnahme am regulären Unterricht der Walther-Groz-Schule fehlen: Deutschkenntnisse.

Die erwerben sie nun in ihren von den Lehrerinnen Anna Stapel und Nguyen Tam geleiteten Vorbereitungsklassen – und dazu noch einiges Basiswissen samt der einen oder anderen deutschen Kulturtechnik. Beispiele: Wie kauft man im Supermarkt ein, wie setzt man dabei das soeben erlernte Nahrungsmittelvokabular ein? Oder das Geodreieck – wie benutzt man es? Wer glaubt, das sei Universalwissen, täuscht sich gewaltig; schon in England gilt dieses urdeutsche Unterrichtsrequisit als ziemlich exotisch.

Erfahrungsgemäß gelingt das "Deutschland"-Lernen aber nur, wenn die jungen Ausländer nicht unter sich bleiben, sondern ihre neue Heimat und vor allem ihre deutschen Altersgenossen kennenlernen. An der Walther-Groz-Schule versucht man der Gefahr, dass sie in ihrer "VABO"-Schutzzone im eigenen kulturellen Saft schmoren, durch diverse Maßnahmen zu begegnen: Deutsche Schüler helfen den Neuankömmlingen bei den Hausaufgaben – die Bereitschaft dazu ist laut Konrektor Wolfgang Eppler überwältigend; er habe von niemandem, den er fragte, einen Korb bekommen. Drei "VABO"-Schüler haben sich für den Schulsanitätsdienst anwerben lassen und dabei laut Rektor Hansjörg Fink anstandslos mentale Hüden bewältigt, die man für viel höher gehalten hatte: "Wir hatten befürchtet, junge Muslime würden sich weigern, Mädchen zu verarzten. Doch davon war keine Rede."

Ein grundlegendes Problem war jedoch bislang ungelöst geblieben: Mobilität. Der Aktionsradius der "VABO"-Schüler blieb bislang sehr begrenzt; schon der Ausflug ins Tailfinger Naturfreibad geriet zur Expedition. Als Lösung des Problems hatte die Schulleitung den Kauf gebrauchter Fahrräder erwogen und eine entsprechende Anfrage ans Landratsamt gerichtet.

"Jetzt sind wir selbst einmal gefordert"

Kurz darauf erhielt sie eine Nachricht aus Balingen: Die Schule könne auch neuwertige haben – Jens Meiser, Chef der Tailfinger Firma "nopma", habe angefragt, welchen Beitrag er zur Flüchtlingsintegration leisten könne, und sich, um einen Beitrag zur Finanzierung gebrauchter Räder gebeten, mit Stephan Paul vom gleichnamigen Balinger Sportgeschäft kurzgeschlossen. Gestern trafen 20 nagelneue Fahrräder in Albstadt ein; die Kosten haben sich Meiser und Paul geteilt. "Jahrelang haben wir Deutschen als Urlauber und Exporteure von einer offenen Welt profitiert", sagt Jens Meiser. "Jetzt sind wir halt selber mal gefordert."

Was VABO-Koordinator Stephan Link am neuen Radpool besonders freut: der pädagogische Nährwert. "Jetzt müssen sie ölen, flicken, Kette spannen! Und lernen – ganz ohne wackelnden Zeigefinger – , dass man seine Sachen in Schuss halten sollte."

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Albstadt

Karina Eyrich

Fax: 07431 9364-51
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