Von Martin Kistner

Albstadt-Ebingen. DieSanierungsarbeiten in der Martinskirche neigen sich dem Ende zu: Gestern Morgen wurde der Einbau der neuen Heizung beendet. Bis zum ersten Sonntagsgottesdienst wird allerdings noch ein Monat vergehen: Stichtag ist der 23. Dezember.

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Während unten im Kirchenraum Helmut Ringwald, Spezialist für Kirchenheizungen, noch letzte Inspektionsarbeiten an den unterm Fußboden verlegten Heizstationen vornahm, fielen oben auf der Empore die Hüllen, welche die Rensch-Orgel monatelang vor dem Staub geschützt hatte, der von der Baustelle parterre aufstieg.

Dann wurde das Gerüst abgebaut, und Klaus Rensch, der Vater der Martinskirchenorgel, konnte sich ans Stimmen machen. An die 2000 Pfeifen hat die Orgel der Martinskirche, und jede musste neu gestimmt werden. Bei den größeren wickelt Rensch die Stimmrolle auf oder ab – ist der Ton zu tief, wird die Stimmrolle aufgewickelt und die Pfeife verkürzt, ist er zu hoch, wird die Rolle abgewickelt. Bei den kleineren Pfeifen kam das Stimmhorn zum Einsatz, mit dem sich die Größe der Pfefenöffnung verändern lässt: Verengte Rensch sie, wurde der Ton höher, weitete er sie auf, dann wurde er tiefer. Weitgehend resistent gegen Veränderungen sind die ganz tiefen Pfeifen, deren Tonfrequenz sich bereits den Infraschall annähert und die, so Rensch, "einmal in zehn Jahren" zum Einsatz kommen. Prüfen muss er sie trotzdem: Vielleicht ist ja ein Riss drin, oder ein Käuzchen hat sich in eine Pfeife verirrt und dort ein trauriges Ende gefunden. "Ist alles schon dagewesen." Viel war freilich nicht zu richten; Rensch, der eigentlich bis heute bleiben wollte, war bereits gestern Nachmittag fertig. Martinskirchenkantor Steffen Mark Schwarz hat sein Instrument wieder.

Die Akustik dürfte ihm künftig mehr zusagen als bisher: Die Holzverkleidung der Tonnendecke schluckt relativ viel Schall; dank den Terrazzoböden, die im vorderen Kirchenraum die Holzpodeste der verschwundenen Sitzbänke ersetzen, hallen Orgelspiel und Gesang künftig stärker nach und klingen weniger stumpf als bisher. Die hinteren Bänke samt Podesten sind stehen geblieben. Vier Bänke müssen allerdings noch zurechtgesägt werden; sie sind jetzt, da rechts und links neben dem Mittelgang jeweils eine Heizstation im Boden versenkt ist, rund einen halben Meter zu lang.

Und dann ist da noch der Chorraum: Im Hauptraum wurden die Wände bereits frisch getüncht, die im Chor müssen auch noch gestrichen werden. Mindestens zwei Wochen, schätzt Walter Schwarz, der Vorsitzende des evangelischen Gesamtkirchengemeinderats,wird die Arbeit dauern; danach muss noch geputzt werden. Erster Gottesdienst in der neuen Martinskirche soll ein Schülergottesdienst fürs Gymnasium werden; die Martinskirchengemeinde selbst nimmt ihre alte neue Kirche am Vierten Advent wieder in Besitz.