Albstadt Gesindemarkt in Lautlingen
Karina Eyrich, 11.06.2012 10:03 UhrAlbstadt-Lautlingen - Antizyklisches Verhalten wird belohnt: Während viele Vereine ihre Veranstaltungen auf die Schulzeiten legen, hat der Schwäbische Albverein Lautlingen das letzte Ferienwochenende für den zweiten Gesindemarkt gewählt – und ist beinahe überrannt worden.
Die alten Stauffenbergs hätten Bauklötze gestaunt über das, was sich gestern auf dem Schlossareal in Lautlingen abgespielt hat: Gäste aus allen Ecken des Zollernalbkreises und darüber hinaus drängten sich an den Ständen des zweiten Gesindemarkts – eine Idee, mit der die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins offenbar genau den Geschmack des Publikums getroffen hat. "Das ist so schön hier", schwärmen Birgitt und Martin Frohme, die gut gelaunt ihren Rundgang machen zwischen Künstlern und Handwerkern. Gaunaturschutzwart Hans Raab vom Albverein ist um 13 Uhr bereits ausverkauft mit seinen Insektenhotels, die er zusammen mit seinen Schülern verkauft.
Bei Heike Götz und ihren stickenden Frauen aus Binsdorf hingegen steht das Verkaufen nicht im Vordergrund: "Für einen Buchstaben eines Monogramms brauche ich fünf bis sechs Stunden – das darf man nicht in Stundenlohn umrechnen", sagt Sabine Glaunsinger, und Heidi Götz erklärt, worauf es ankommt: "Wir sticken mit französischer Stickseide auf alten Stoffen – die haben das gewisse Etwas und man kann sie bis 95 Grad waschen."
Gegenüber präsentiert der Hossinger Künstler Michael Wendel seine Drucke von Holzschnitten. "Für diese Winterlandschaft musste ich am Himmel gar nichts machen – der Schneesturm kommt einfach durch die Struktur des Eichenbretts", sagt er und zeigt auf eines der Bilder, von denen manche auch dasselbe Motiv in unterschiedlicher Ausführung zeigen. "Helga Reinauer, die Vorsitzende des Albvereins, hat mich vor zwei Wochen angerufen, weil sie auch einen heimischen Künstler dabeihaben wollte", so Wendel.
Überhaupt hat die Organisatorin ein gutes Händchen bewiesen bei der Auswahl der Anbieter: Von selbstgemachten Lampenschirmen über Holzkunst – Schreiner Gerhard Bühler aus Meßstetten hat besonders originelle Werke dabei – bis zu selbstgemachten Seifen ist alles vorhanden, was das Herz begehrt. Anita Gastel ist ganz begeistert von der Seife "Weiße Rose", die sie gerade bei Sabine Pannewitz gekauft hat, und erfährt von ihr: "Seifen stelle ich nur als Hobby her – es ist ein schöner Ausgleich zu meinem technischen Beruf." Christiane Schelling nebenan verkauft handgefärbte Wolle – als eine von wenigen in Deutschland stellt die Mössingerin sie selbst her und verzichtet beim Färben auf Schadstoffe, Weichmacher und schwermetallhaltige Farben.
Zwischen den Ständen in der Schloss-Scheuer lassen sich die Gäste mit Kaffee und Kuchen verwöhnen – oder sie greifen draußen, unter alten Bäumen, nach etwas Herzhaftem vom Grill. Das Auge isst mit bei den Aufführungen der Volkstanzgruppe Schörzingen, die sich zwischendurch am Stand der Likörstube von Sibylle Bitsch ein Stamperl – farblich passend zu ihren roten Trachten – genehmigen. Und Frauen, die es ganz scharf mögen, gehen zu Jürgen Ducka: Der Messerschleifer ist ständig von weiblicher Kundschaft umzingelt und freut sich mit den Veranstaltern über den geschickt gewählten Zeitpunkt.



