
Albstadt-Ebingen - Geschätzter Schaden: ein Euro. Ein Wunder ist es nicht, dass Richter Albrecht Trick am Mittwoch bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Albstadt das Verfahren gegen einen 35-jährigen Albstädter eingestellt hat – mit Zustimmung des Staatsanwalts.
Viel eher nimmt es Wunder, dass das Verfahren wegen "Entziehung elektrischer Energie" – laut Trick ist das Vergehen ein Relikt aus dem Kaiserreich – überhaupt erst eröffnet worden und zwei betagte Zeugen bei Kälte und Schneetreiben einbestellt worden waren.
Was war passiert: In zwei Fällen, für die es Zeugen gibt – wieviele es tatsächlich waren, ist nicht bekannt – hatte der Albstädter Strom aus der Gemeinschaftssteckdose im Flur des Mehrfamilienhauses benutzt, um nachts fernzusehen, wie er zugab.
Der Grund: Die Albstadtwerke hatten dem säumigen Zahler den Strom abgestellt. Aufgeflogen war der Mann, weil seine Nachbarin eine "Dreckspur" von seiner Wohnungstür ausgemacht hatte. Geführt habe sie zum Stromkasten in einem Teil des Flures, wo er "überhaupt nichts verloren" habe. Nach dem Hinweis der Nachbarin hatte der Hausmeister zunächst das Kabel fotografiert, das von der Steckdose im Flur unter der Wohnungstür des Mannes durch führte, und dann die Steckdose entfernt, wie er berichtete. "Ich schließe sie immer nur dann an, wenn Staub gesaugt wird."
Nach gut 30 Minuten war das Verfahren vorbei – auch, weil der Angeklagte geständig war. Er versicherte dem Amtsrichter, daran zu arbeiten, seine finanziellen Verhältnisse in den Griff zu bekommen. Mit Fernsehen auf Kosten der Hausgemeinschaft ist es freilich erstmal vorbei, und eigenen Strom bekommt der 35-Jährige wohl erst wieder, wenn seine Rückstände über rund 200 Euro bei den Stadtwerken beglichen sind – oder er von ihnen einen Münz-Zähler bekommt. Dass seine Wohnung aktuell nicht unter Strom steht, scheint ihn weniger zu stören: "Ich bin zurzeit kaum Zuhause."