
Von Martin Kistner
Albstadt-Ebingen. Ihr Vater hatte zu Ebingens Elektro-Pionieren gehört, sie selbst war jahrzehntelang eine Kapazität in Sachen Lampen; der Kundenkreis reichte bis Tübingen und Ravensburg. Am Samstag ist Luise Maute nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben.
Luise Maute wurde am 23. März 1923 als Tochter des Elektromeisters Karl Maute in Ebingen geboren. Sie wuchs zusammen mit zwei älteren Brüdern auf – Friedrich, der jüngste, kam zur Welt, als sie bereits 13 war – besuchte erst die Volks- und dann die höhere Handelsschule und arbeitete anschließend als Kauffrau im elterlichen Betrieb. Sie war 16, als der Krieg ausbrach, und 20, als der eine der großen Brüder fiel. 1945 ereignete sich eine weitere Familientragödie: Ihre Tante Emilie Palm, die zusammen mit ihrem Mann Wilhelm das oberhalb von Ehestetten gelegene Stierhaus gepachtet hatte, wurde von russischen Marodeuren ermordet. Diese brannten das Stierhaus nieder und sperrten Luise Maute und ihre Kusine Luise Palm, die beim Anblick des brennenden Hauses auf der Höhe aus Ebingen herbeigeeilt waren, tagelang ein. Die Mädchen mussten zudem miterleben, wie ihr 25-jähriger Begleiter von den Russen kaltblütig erschossen wurde. Diese Schicksalsschläge sollten ihr Leben dauerhaft überschatten.
Dieses Leben ging dennoch weiter. Nach dem Krieg verbrachte Luise Maute ein Jahr als Au-pair-Mädchen in London – sie war ein Paradebeispiel dafür, dass Schwaben Heimatverbundenheit umstandslos mit Weltoffenheit und Abenteuerlust zu vereinen wissen.
Jahre später ging sie erneut für ein halbes Jahr ins Ausland, diesmal sogar nach Übersee, nämlich zu einer Tante, die im US-Bundesstaat Connecticut lebte. Außerdem verdingte sie sich für ein Jahr als Praktikantin in einem renommierten Elektrogeschäft in Hamburg – es lag in der Mönckebergstraße, der hanseatischen Einkaufsmeile par excellence.
Nach Ebingen zurückgekehrt, übernahm sie mehr und mehr Verantwortung im elterlichen Geschäft; nach dem Tod des Vaters 1965 wurde sie selbst Prinzipalin. Über 20 Jahre führte sie das Geschäft in der Schmiechastraße. Ihr Geschmack war durchaus eigenwillig und ihre Einkaufsentscheidungen muteten gelegentlich verwegen an – dennoch erwies sich immer wieder, das sie ihre Kundschaft besser kannte als jeder andere. Parallel zu ihrer Geschäftstätigkeit pflegte sie die Mutter, bis diese 1976 starb.
1986 gab Luise Maute ihr Geschäft auf. Als Ruheständlerin verbrachte sie viel Zeit auf dem Gartengrundstück der Mautes im Leizentäle – nur zu gerne hätte sie es ihrem jüngeren Bruder gleichgetan und dort ein Haus gebaut, aber der Wunsch ging nie in Erfüllung.
Einen großen Teil ihrer Zeit widmete sie der Lektüre des Neuen Testaments. Im hohen Alter schwanden die geistigen Kräfte, die sie so lange ausgezeichnet hatten; ihre letzten Jahre verbrachte sie im Pflegeheim in Ratshausen – gut umsorgt und dennoch nie frei von Heimweh nach Ebingen. Luise Maute ist in aller Stille von ihren Angehörigen beigesetzt worden.