Albstadt Der Mut zum Rot hat sich gelohnt

Schwarzwälder-Bote, 13.08.2012 12:00 Uhr

Von Karina Eyrich

Albstadt-Ebingen. Nicht nur so, dass sie die Kunst verstehen, sondern auch so, dass sie sich davon inspiriert fühlen und begreifen, warum Kunst wichtig ist für das Leben der Menschen – so vermag Veronika Mertens Kindern die erste Sonderausstellung im "jungen kunstraum", dem ersten Kindermuseum im Zollernalbkreis, zu erklären. Es mag am Bilderbuchwetter liegen, dass nur zwei Kinder, aber deutlich mehr Erwachsene, den Weg zur Finissage der Ausstellung "Otto Dix und die Kinder" gefunden haben.

Um so intensiver jedoch kann sich Veronika Mertens mit der neunjährigen Stephanie und der siebenjährigen Nathalie beschäftigen. Die staunen zunächst einmal über die bunten Räume, die Joachim Dimanski aus Halle an der Saale so entworfen hat. "Ich hätte nie den Mut gehabt, die Wand rot zu streichen", sagt die Kuratorin lachend im zweiten Raum, nachdem sie im ersten, dem blauen Zimmer, den bedeutenden Grafiker samt seiner Familie vorgestellt hat.

In den Details der Zeichnungen und Gemälde, die Veronika Mertens im Dialog mit den Kindern erklärt, geht es aber nicht nur um die Farben, um das helle Kind Marcella und den alten, dunklen Dix mit den großen Händen, der damit seine Enkelin wie etwas ganz Kostbares festhält, sondern auch um Symbole wie den Teppich, auf dem der kleine Ursus als Krabbler seine erste Grenze überschreitet. Es geht um Gegensätze wie den zwischen David mit der Harfe und Saul mit dem Speer. Und es geht um die Körperhaltung: Was das Mädchen, das für Otto Dix Modell saß, wohl gedacht haben mag, das haben ihr die Kinder auf bunten Zetteln in den Mund gelegt – eine ganze Sprechblase an der Wand ist voll davon: "Glücklich sieht anders aus", steht da, "Warum kann Papa nicht einfach Gärtner sein?" und "Mir tut das Steißbein weh."

Die Gelegenheit, im "mini-mal" selbst nochmal zur Kreide zu greifen und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, während die Erwachsenen sich mit Veronika Mertens noch den Rest des Hauses ansehen, lassen sich Stephanie und Nathalie am Ende nicht entgegen. Schon am Sonntag, 16. September, haben sie dann die Chance, die nächste Ausstellung zu sehen: "Typisch Junge, typisch Mädchen?", unter anderem mit Gemälden von Christian Landenberger.

 
 
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