Albstadt Da waren's nur noch drei

Schwarzwälder-Bote, 30.06.2012 00:02 Uhr

Von Martin Kistner

Albstadt. Die Stadt Albstadt will im Rahmen der Teilfortschreibung des Flächennutzungsplans Albstadt/Bitz potenzielle Standorte für Windkraftanlagen in die engere Wahl nehmen. Drei hat der Stadtrat am Donnerstag akzeptiert: Zitterhof, Remmetsenberg und Brandbühl.

Vor Jahren hatten sich die Albstädter noch mit Händen, Füßen und Rechtsbeiständen gegen die Errichtung von Windrädern auf ihrer Gemarkung gewehrt, und das erfolgreich: In Albstadt gibt es keine Windkraftanlagen, und im Flächennutzungsplan sind auch keine Vorrangstandorte ausgewiesen.

Die Zeiten ändern sich und Politik mit ihnen

Doch die Zeiten ändern sich: Die Politik propagiert die Energiewende, und in Stuttgart ist jetzt eine Landesregierung am Ruder, die mit dem Thema Windkraft ungleich offensiver vorgeht als ihre vom Gedanken des Landschaftsschutzes beseelten Vorgängerinnen. Es stehen Gesetzesänderungen ins Haus, die es geboten erscheinen lassen, selbst Standorte auszuwählen, um nicht eines Tages vor unangenehme vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Die Stadt Albstadt hat deshalb im Auftrag des Gemeinsamen Ausschusses Albstadt/Bitz mögliche Standorte für Windkraftanlagen untersucht.

Aus der ersten Sichtungsrunde, in der Siedlungs-, Vogel- und Naturschutzgebiete, Waldbiotope und Gelände in der Nähe klassifizierter Straßen ausgeschieden wurden, waren elf Albstädter oder Bitzer Standorte hervorgegangen, nämlich die Gewanne Zitterhof, Remmetsenberg, Haubenberg, Degerfeld, Gabelhaus, Bocksberg, Hermannslust, Brandbühl, Autenwang/Wachtbühl, Tierberg und Burgfeld.

Die Traufansicht wäre total verhunzt

In der zweiten Runde kamen die Belange von Bundeswehr und Luftfahrt sowie des Landschaftsbildes ins Spiel, und danach waren's nur noch drei. Tierberg und Autenwang/Wachtbühl entfallen dem Landschaftsbild zuliebe – die Windräder würden, aus weiter Entfernung sichtbar, die Traufansicht verhunzen. Außerdem würden die Rotorblätter in Höhen aufragen, in denen sie buchstäblich die Interessen der Bundeswehr berühren. Diese stehen dem Bau von Windrädern auch im Falle der Standorte Degerfeld, Gabelhau, Haubenberg, Bocksberg, Hermannslust und des südlichen Teils des Gewanns Remmetsenberg entgegen – das nahe gelegenen Fluggelände Degerfeld ist militärischer Sonderlandeplatz. Der Standort Burgfeld scheidet ebenfalls aus – hier könnte die Winkraft die Radarerfassung beeinträchtigen: Auch Hubschrauber haben Rotoren.

Bleiben Zitterhof, Remmetsenberg und Brandbühl. Ein Teil der Fläche Zitterhof im Norden von Pfeffingen liegt innerhalb des Vorsorgeabstands eines Vogelschutzgebiets und der östlich von Onstmettingen an der Markungsgrenze zu Hausen gelegene Remmetsenberg in der Nähe einer Umspannstation.

Aber trotzdem kommen diese beiden Standorte und die Fläche Brandbühl, die östlich der Landesstraße zwischen Ebingen und Bitz liegt, am ehesten für den Windkraftbetrieb in Betracht – zumindest nach Einschätzung der Stadt Albstadt.

Und wie geht es weiter? Als nächstes wird überprüft, wie es an den drei genannten Standorten um Artenvielfalt und Artenschutz bestellt ist. Diese Untersuchung nimmt die Verwaltung nicht selbst vor, sondern vergibt sie an Fachleute. Die Kosten werden mit 20 000 Euro veranschlagt.

Im Gegensatz zur Suche nach Windkraftstandorten ist jene nach geeigneten Flächen für ausgedehnte Photovoltaikanlagen unterblieben. Die Stadt hält sie nicht für erforderlich.

 
 
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