Albstadt Bademütze hat den Weg geebnet zu einer großen Liebe

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Das Bild eines Namensvetters hat Kurt Lang seiner Frau Ellen einst geschenkt: Hans Langs Gemälde zeigt den Schulweg der gebürtigen Tailfingerin. Foto: Eyrich Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Karina Eyrich

Albstadt-Onstmettingen. Dass ein Ehepaar sich 60 Jahre lang so gut versteht wie Ellen und Kurt Lang, ist nicht selbstverständlich. Was ist das Geheimnis der beiden, die am morgigen Sonntag ihre Diamanthochzeit feiern? "Gleiche Interessen", darüber sind sie sich einig, und dazu zählt der Sport: Den Tennisclub Onstmettingen, in dem sie bis zum Seniorenalter aktiv spielten, hat Kurt Lang mitbegründet; zudem ist er viele Jahre lang "jeden Abend mindestens 2000 Meter geschwommen" – wenn das Wetter es zuließ im Tailfinger Freibad, wo er sich im Alter von 18 Jahren in die damals 16-jährige Ellen Hakenmüller verliebt hat. "Sie hat mir sehr gefallen, und ich überlegte: Wie kommt man ins Gespräch", erinnert sich der gebürtige Onstmettinger, Jahrgang 1931. Die Lösung war, sich ihre Bademütze auszuleihen, "und so hat sich die Geschichte langsam entwickelt".

Acht Jahre lang "poussierten" Lang und die gebürtige Tailfingerin, ehe sie sich am Tag der Silberhochzeit von Langs Eltern das Ja-Wort gaben. Dafür wohnten sie zunächst im Elternhaus der Braut, dem Gasthaus "Rose Ratsstube", wo auch die älteste der beiden Töchter zur Welt kam. 1973 bauten sie dann am Bühl in Onstmettingen ein Haus und zogen mit seinen Eltern zusammen.

Dort war Kurt Lang in jungen Jahren in die Textilfirma seines Vaters und seines Onkels eingestiegen, die danach erst sein Vater, dann er selbst alleine führte. Ellen Lang unterstützte ihren Mann dabei an allen Ecken und Enden: "Ich war Mädchen für alles", erinnert sie sich. Bis spät in den Abend und selbst an Wochenenden waren beide fleißig im Betrieb – Ellen Lang auch dann, wenn ihr Mann sich der Kommunalpolitik widmete: Von 1975 bis 2009 gehörte er zu den Aktivposten im Onstmettinger Ortschaftsrat, von 1980 bis 2009 auch im Gemeinderat Albstadt, wo die Beiträge des charmanten Klartext-Redners und präzisen Analytikers nicht nur in der CDU-Fraktion hoch geschätzt waren.

Anders als viele andere Ehefrauen war Ellen Lang im Betrieb angemeldet und sozialversichert – es ist nur eines von vielen Zeichen dafür, dass sie und ihr Mann eine Ehe auf Augenhöhe führen. "Streiten? Das mögen wir beide nicht", sagt die Jubelbraut schmunzelnd. "Ich gebe lieber nach – und er auch."

Die Firma Kurt Lang – spezialisiert auf elastische Stoffe für Unterwäsche, Sportbekleidung, Kinderbekleidung und sogar auf technische Artikel wie Lampenschirme – lief gut. Besonders großen Erfolg erzielte die Erfindung des Weichbunds, der heute aus keinem bequemen, gut sitzenden Unterteil mehr wegzudenken ist. Mit sechs Mitarbeitern gehörte der Betrieb zwar nicht zu den größten in Albstadt, hatte aber die Nase weit vor der Konkurrenz und war, auch dank des Einsatzes der beiden Töchter Ute – mit Ehemann Karl-Heinz – und Ulrike, ein Familienunternehmen, wie es im Buche steht.

Dennoch haben Kurt und Ellen Lang sich entschlossen, ihn nun aufzulösen und nach arbeitsreichen Jahrzehnten den Ruhestand zu genießen. Für ihre fünf Enkel und zwei Urenkel sind sie immer gerne da, genießen Spaziergänge, Konzerte, gute Bücher und Ausflüge in den Schwarzwald und an den Bodensee – weitere Reisen wie früher, am liebsten nach Südtirol und in die Schweiz zum Wandern, reizen da nicht mehr. Zumal die Beiden von ihrem 1983 bezogenen Haus in der Allenberg­straße aus einen Ausblick haben, wie er schöner auch im Urlaub nicht sein könnte.

Dort wird morgen, nach einem Essen mit der Familie, auch gefeiert: Oberbürgermeister Klaus Konzelmann, Ortsvorsteher Siegfried Schott und viele Freunde des Paares haben sich angesagt. Denn nach wie vor gehören Ellen und Kurt Lang zu den beliebtesten Albstädtern. Auch und gerade, weil beide mit Humor gesegnet sind, erkennbar in sich ruhen – und sich so gut verstehen, wie es selbst für Diamanthochzeiter alles andere als selbstverständlich ist.

  
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