Aichhalden (ks). Kam einem das Konzert des Aichhalder Musikvereins am dritten Adventssonntag etwa spanisch vor?Dann lag man völlig richtig. Das Repertoire war an diesem Nachmittag fast gänzlich auf das sonnenverwöhnte Land gemünzt. Bis auf den letzten Platz war die bestuhlte Josef-Merz-Halle mit neugierigem und erwartungsfrohem Publikum gefüllt. Nur lobende Worte hörte man über das Jugendorchester, das zunächst mit flotten Hits für große Begeisterung sorgte. Aufmerksam blickte der musikalische Nachwuchs aus den Gemeinden Aichhalden, Hardt und Rötenberg zu seinem Leiter, der mit dem richtigen Draht zu den Jungmusikern immer wieder zu motivieren versteht. Eine gute Entscheidung war der Zusammenschluss der Orchester, wuchsen doch neben den gemeinsamen Proben, Ausflügen und Konzerten auch etliche Freundschaften unter den Jugendlichen. Nachdem sich das Publikum eine Zugabe erklatscht hatte, eroberte nach den Ehrungen das Hauptorchester aus Aichhalden die Bühne.

Unter der Leitung von Dirigent Volker Braun brachten seine Damen und Herren in Blech, Holz und der Perkussion die oft impulsiven und feurigen Melodien gekonnt rüber. Nur sind in spanischen Orchestern üblicher Weise Celli und Kontrabass vertreten, Spielweisen die hier durch andere Instrumente ersetzt werden mussten. Doch nicht ganz. Für das zweite Stück "A Bandolero Story" konnte Marc Rempp gewonnen werden, der ein Solo an der Gitarre gab.

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Pfiffige Einlagen quer durch die Register, wechselnde Tempi und die insgesamt anspruchsvollen Notensätze ließen das temperamentvolle Geschenk gelingen, wobei freche Akzente vom Schlagwerk kleine rhythmische Highlights setzten.

Keine Ausnahme war die "Appalachian Overture" von James Barnes, die zwar fast so klingt, aber mit Spanien rein nichts am Sombrero hat. Das Lied war mit dem flotten Anfang, dem getragenen Mittelteil und einem emotionsreichen Schluss ein Ausflug nach Nordamerika. Doch dann gab es im schwungvollen Dreivierteltakt den Walzer "Espana" zum Genießen. Das Stück basiert auf einer wohlbekannten Rhapsodie von Emmanuel Chabrier. Das Gesangsduo "Cindy und Bert" landete mit dem auf "Espana" gemünzten Stück "Wenn die Rosen erblühen in Malaga" Plätze in der Hitparade.

Mit dem "Malaguena" und dem rhythmischen Ohrwurm "Carribean Hideaway", bei dem das Schlagwerk mal richtig in dynamischen Einsatz durfte, ging es mit vorzüglicher Unterhaltungsmusik in Richtung Ende des Programms. Heißblütiger Flamenco und klappernde Kastagnetten rauschten durch die weihnachtliche und mit Sternen geschmückte Festhalle, in der das Publikum berauscht nach den famosen Beiträgen begeistert Applaus spendete. Geschmackvoll waren die Lieder gewählt worden, Soli spickten die Stücke mit reizvollen Einlagen.

Als Zugabe hatte Volker Braun in seiner Notenkiste einen Regimentsmarsch mit spanischen Motiven gefunden, gestand der Dirigent. "Oh, Du Fröhliche" entließ die gut gelaunten Zuhörer schließlich in die Vorweihnachtszeit.

Aichhalden (ks). Beim Weihnachtskonzert des Aichhalder Musikvereins wurde langjährige Mitglieder geehrt.

Da dem Vorsitzenden Bernd Wilhelm immer ein wenig der Schalk im Nacken zu sitzen scheint, war die Ehrung auch amüsant und kurzweilig. Zuerst wurden passive Mitglieder auf die Bühne gerufen und nach 25 Jahren zu Ehrenmitgliedern ernannt. Dies waren der ehemalige Dekan und Pfarrer Anton Cingia, Sandra Kimmich und Lothar Bantle sowie in Abwesenheit Susanne Frick und Werner Schüle. Schließlich übernahm Werner Eble, Vizevorsitzender des Blasmusikverbands Rottweil-Tuttlingen, die Ehrungen.

Für zehn Jahre aktiven Einsatz verlieh er das bronzene Ehrenzeichen an Stefanie Glunk, die aus beruflichen Gründen aber nicht anwesend sein konnte. Die begabte Klarinettistin, die auch ihre Fans als Sängerin hat, studiert zur Zeit in Paris Musik. Ebenso für zehn Jahre wurde Philine Eschle gewürdigt.

Sie begann auf der Klarinette und wechselte zum Tenorsaxophon, zudem ist die Jubilarin im Ausschuss tätig und kümmert sich in allen Belangen rund um die Dekoration. Geehrt wurden mit der goldenen Verbands-Ehrennadel für 30 Jahre Georg Eschle und Jürgen Roming. Georg Eschles zeichnet sich durch handwerkliches Geschick und das richtige Gespür für den Vorstand aus. Auf dem Horn begann er seine musikalische Laufbahn, ein Ausflug ließ ihn zu den Trompeten wechseln, ehe er wieder zu den Hörnern zurückkehrte. Seit 2007 ist Georg Eschle Geschäftsführer.

Jürgen Roming verpasste in 30 Jahren kaum eine Probe oder einen Auftritt. Sieben Jahre davon war Roming erster Kassierer, geschätzt werde er als wandelnder Terminkalender und ist seit vier Jahren Schriftführer, wobei in seiner Schreibfeder ein großes Talent zur Unterhaltung stecke, so Wilhelm.

Die Verbands-Ehrennadel in Gold mit Diamant steckte Eble mit einer langen Eloge dem begnadeten Trompeter Siegbert Broghammer an. Der Musiker zählt zu einem der Dienstältesten im Verein und war der erste Vorsitzende der Bläserjugend im Gründungsjahr 1990. Fünf Jahre lang war er Vizevorsitzender des Musikvereins und Jahre lang im Ausschuss aktiv. Darüber hinaus ist Broghammer als "Dr. Jazz" bekannt, sei Sänger und seit Jahren als Vorsitzender der Geißbockmusikanten on Tour.

Für 20-jährigen Einsatz als Dirigent wurde Volker Braun eine weitere Verbandsehrung zu Teil. Neun Jahre davon ist Braun in Aichhalden, wobei der Idealist das Orchester bei Wertungsspielen nach vorne brachte und etliche glanzvolle Konzerteverantwortete. Eigentlich schwingt Braun schon seit 21 Jahren den Dirigentenstab. "Das haben wir vergessen. Aber nicht schlimm, Volker nämlich auch", schmunzelte Wilhelm entschuldigend.

Selbst der geehrte Dirigent verpasst das richtige Datum

Schließlich wurde Heike Hug für 25 Jahre vereinsintern geehrt und Vorsitzenden Bernd Wilhelm zum Aktivenehrenmitglied ernannt. Zwar ist Hug nicht mehr als Flötistin im Einsatz, dafür aber als erste Kassiererin eine wichtige und zuverlässige Stütze im Verein.