
Villingen-Schwenningen - »Die Posaunisten werden eines Tages die Weltherrschaft übernehmen «, verrät Trompeter und Moderator Werner Heckmann und leitet zum Höhepunkt des Jubiläumskonzerts des Schwarzwälder Boten im Druckzentrum Südwest in Villingen- Schwenningen über. Enrique Crespo, Initiator des Blechbläserensembles German Brass, tritt mit Mathias Dangelmaier und Alexander Erbrich-Crawford auf die Bühne. Mit den Tromboneses, den »Posaunen von Jericho«, erobern sie zwar nicht die Welt, das Publikum im Druckzentrum aber im Fluge.
»Welch Präzision«, staunt ein Zuhörer und zollt dem renommierten Ensemble Respekt. In der Tat beweisen die zehn Blechbläser und ein Schlagzeuger von German Brass, dem Pionier der deutschen Brass-Bewegung, »wie wenig man Violinen vermisst, wenn man sie durch Trompeten ersetzt«. Werner Heckmann führt nicht nur unterhaltsam durch das Programm, sondern setzt mit spitzen Bemerkungen über den Glanz der blechernen Musik im Gegensatz zu herkömmlicher Klassik oder gar Volksmusik besondere Akzente: »Schon in der Auseinandersetzung zwischen Stier und Torero nehmen Hörner traditionell eine wichtige Stellung ein«, verdeutlicht er augenzwinkernd. Von Richard Strauss über Antonio Vivaldi spielt sich German Brass »Bach aufwärts « durch das breit gefächerte Repertoire »verstorbener und verschiedener Komponisten «. Eine »vergnügliche Weltreise« führt im zweiten Teil durch Musiklandschaften von Dixieland, über Swing bis zu einem Tango, den German Brass kess mit einemvolksmusikalischen Jauchzer versetzt.
Die zehn Blechbläser beherrschen nicht nur Posaune, Tuba, Horn und Trompete, sondern sie zaubern auch aus einer Piccolo- und selbst aus einer Mikro-Posaune, der kleinsten der Welt, ergreifende Töne hervor – und das so exakt aufeinander abgestimmt, wie man es selten hört. Schließlich kommt auch Schlagzeuger Herbert Wachter noch zu seinem ersehnten Auftritt und trommelt sich zu »Sing, sing, sing« in die Herzen der inzwischen blech-verwöhnten Zuhörer.
»Sie sind ein beneidenswertes Publikum«, sagt Heckmann abschließend. Stehende Ovationen und Applaus geben dem Moderator Recht. Die Besucher sind ergriffen von dem ungewohnten Klang, der sich in der Versandhalle entfaltet hat, in der sonst Rotationsmaschinen die Geräuschkulisse prägen.
Mit dem Konzert von German Brass im Rahmen des Schwarzwald Musikfestivals gratulierte Festivalintendant Mark Mast dem Schwarzwälder Boten zum 175-jährigen Bestehen. Die Mediengesellschaft habe das Festival von Beginn an unterstützt, hob Mast hervor. Für Heinz-Ludwig Giebel, Geschäftsführer des Schwarzwälder Boten, ein Herzensanliegen: dokumentiere die Partnerschaft doch die tiefe Verwurzelung des Verlags in der Region.